Himbeersaft oder Syrup -
Eine unveränderte Original Anleitung von Henriette Sander
aus dem Buch "Neues praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche" von 1877
Um einen klaren, lange haltbaren Saft zu erhalten, muß man in der Regel die frischen zerdrückten Früchte längere Zeit stehen und gähren lassen, damit die schleimigen Stoffe, welche ein Erstarren des mit Zucker gekochten Obstsaftes bewirken, ausgeschieden werden; sonst erhält man statt Saft, Gelee.
Nimmt man freilich zu frisch ausgepresstem Obstsaft nur wenig Zucker, so bleibt er flüssig, geht aber leicht in Gährung über.
Die mit Zucker eingekochten Obstsäfte dienen zur Bereitung von Limonaden, indem man einem Glase frischem Brunenwasser 1-2 Eßlöffel voll zusetzt und sind diese sehr erquickend und gesund für Kranke und Gesunde.
An Wohlgeschmack obenan steht der Himbeersaft, welcher allen andern Obstsäften vorzuziehen ist.
Die reifen Himbeeren werden zerdrückt und in einer irdenen Schale in einem kühlen luftigen Zimmer zum Gähren hingestellt, was je nach Witterung 8 Tage oder länger dauert.
Sobald der Saft weinklar hervortritt, wenn man mit dem Löffel die Himbeerdecke etwas hebt, werden die Früchte ausgepresst.
Den Saft bringt man auf das Feuer, gibt 1 ¼ Pfund Zucker auf jeden Schoppen hinein, löst ihn langsam auf und läßt die Flüssigkeit nur einige Mal aufkochen.
Man stellt dann den Kessel beiseite, bis sich der Schaum gesetzt hat, nimmt diesen sorgfältig ab und füllt den klaren Saft heiß in trockene, erwärmte kleine Glasflaschen.
Man überbindet diese mit Papier oder schließt sie leicht durch einen Kork; dieser Saft von schöner Farbe und aromatischem Geschmack, hält sich jahrelang und die Flaschen werden im Keller stehend aufbewahrt.
Schoppen:
1 Schoppen = ½ Liter