Nimm schöne saure Kirschen, die sogenannte doppelte Nattkirsche ist dazu am besten, mache die Kernen heraus und presse den Saft durch ein leinenes Tuch;
nimm zu jedem Pf. Safte 3 Viertelpf. Zucker und ein Paar Nelken, koche beides zusammen und laß es, wenn du es gehörig abgeschäumt hast, so lange kochen, bis einige Tropfen, auf einem zinnernen Teller getröpfelt, wenn sie erkaltet sind, wie Gallerte fest stehen.
Laß es sodann etwas abkühlen und fülle das Gelee in porzellänene Schalen oder in Gläser, lege ein, nach der inwendigen Form des Glases geschnittenes, naßgemachtes und wieder abgetrocknetes, weißes Papier drauf und überbinde die Gläser nach einigen Tagen noch mit anderm Papiere.
Gelee von Kirschen auf andere Art
Stoße ein Paar Metzen saure Kirschen sammt den Kernen klein, thue sie dann in ein irdenes
Gefäß nebst einem kleinen Stück Zimmt und 6 Gewürznelken und laß es eine halbe Stunde verdeckt stehen.
Reibe indessen von 4 Zitronen die gelbe Schale auf einem halben Pf. Zucker ab in einem Napf, drücke
den Zitronensaft dazu; koche anderthalb Pf. Hirschhorn, (siehe Gelee von Hirschhorn)
zu einem halben Nößel Gallerte ein und thue dies auch zu dem Zitronensafte.
Hiernächst drücke den Kirschsaft durch ein leinenes Tuch ab in eine Kasserolle, wie auch die andere Masse dazu;
thue nun noch hinzu ein halbes Nößel Milch und setze die Kasserolle verdekct auf einen warmen Ort, damit die Milch gerinne.
Sodann laß die ganze Masse einigemal langsam durch den Geleebeutel laufen; sie muß aber dabei beständig warm erhalten werden, damit sie flüssig durchlaufen kann;
das Letztemal laß sie in die Anrichteschüssel laufen und im Keller zu Gelee werden.
(aus einem Magdeburger Kochbuch für angehende Hausmütter und Haushälterinen und Köchinen von 1813)
Anmerkung von www.feiertagsrezepte.de
- 1 Nösel entsprach ungefähr 450 ml (bzw. knapp 500 Gramm),
(Altes Maß aus Braunschweig)
- 1 Metze = 3 Quart = 3,435 Liter,
(Altes Maß aus Preußen)