Man nehme ½ Pf. geraspeltes Hirschhorn, wasche es so lange immer in frischem Wasser, bis das Wasser so klar ist, wie es aus dem Brunnen kommt.
Sodann wird das Hirschhorn in einen neuen irdenen Topf, der vorher mit Wasser wohl ausgekocht ist, gethan,
von einer Zitrone die Schale dazu geworfen, und 1 Maaß (Kanne oder Quart) Brunnenwasser darauf
gegossen.
Man deckt den Topf zu, und läßt es immer sacht kochen.
Wenn man 1 Tropfen davon auf einen zinnenen Teller thut, und der Tropfen, wenn er kalt ist, vest steht,
so ist es gut.
Es muß 3 bis 4 Stunden kochen; gerührt darf es nicht werden, sonst wird es trübe.
Hiernächst wird es durch ein doppeltes leinenes Tuch in ein kleines Töpfchen gethan, dazu noch
1 Zitronenschale, Zucker nach Belieben und ¼ Maaß Rheinwein oder Franzwein kommt.
Dies wird wieder gekocht und probiert, ob es, wenn es kalt ist, vest stehe; dann wird es durch Leinwand gegossen, in Theeschalen in den Keller gesetzt, bis es recht klar ist.
Der Topf, worin es gekocht wird, muß vorher zu nichts andern gebraucht worden seyn; man muß
es auch nicht drücken, wenn man es durchgießt, damit es recht klar bleibe.
Man kann auch Himbeergelee darunter thun, so wird es roth; auch kan man in die Mitte der Schüssel einen Krebs legen, und das Gelee darauf stürzen.
Bey dem Stürzen verfährt man auf folgende Art: Man nimmt ein leinenes Tuch, und taucht es in heisses Wasser, oder macht es am Ofen so heiss, als es möglich ist, und legt es um die Gläser, oder Schalen, oder Formen, worin das Gelee ist, bedeckt solche oben mit der Schüssel zu, und stürzt sie um, so fällt das Gelee ganz heraus in die Schüssel.
Man muß es aber ja im Keller stehen lassen, bis mans essen will, sonst läuft es auseinander.
(aus einem Magdeburger Kochbuch für angehende Hausmütter und Haushälterinen und Köchinen von 1813)